TEXT + TANZ


Die Welt Ist Rund Düsseldorfer Junges Schauspielhaus TEXT+TANZ 2013

Franziska Henschel, TEXT+TANZ

Seminare, Workshops  

für

Schauspiel / Regie/ Dramaturgie/

 PuppenspielPerformance/Tanz/ Choreografie

Tanz- u.Theaterpädagogik

Musik / Bildende Kunst/ Studierende

und alle anderen auch

 

Grundlagen:

Funktion und Beziehung von Aktion und Reaktion

Teil 1: Filter und Wege der Wahrnehmung


In diesem Seminar geht es vor allem darum, die Kategorien der eigenen Wahrnehmung zu bemerken, zu definieren und zu erweitern, um sie für die eigene künstlerische Arbeit (auf der Bühne) und die Kommunikation mit Anderen - nutzbar zu machen.

Was nehme ich war und (wie) kann ich es beschreiben?

Nicht eine Meinung, Wertung oder Interpretation des Gesehenen/Geschehenen zu äußern, sondern eine nachvollziehbare Beschreibung,- ist ungewohnt und bedarf der Übung.

In diesem Seminar/ Workshop untersuchen und trainieren wir explizit die Möglichkeiten der Wahrnehmung sowie der Beschreibung einer Aktion/ Handlung auf der Bühn

Wir erarbeiten uns durch das wiederholte und bewusste Tun, ein Vokabular des Sehens und Beschreibens. Wir üben uns in der verschieden filterbaren Wahrnehmung und Beschreibung von großen Bögen und kleinen Details.

Das Ziel ist es, Strukturen -auf verschiedenen Ebenen der Darstellung - erkennen und benennen zu können. Die Qualität des Feedbacks wie auch die Kreativität und Konstruktivität der Zusammenarbeit - insbesondere die Fähigkeit, Anlässe und Varianten des Zusammenspiels zu erkennen- wird dadurch entschieden erhöht.

 

Teil 2: Inspirations- und Improvisationswerkzeuge

 


Nun geht es darum, die Möglichkeiten zu erweitern, auf eine Aktion, ein Angebot, ein Zeichen, eine Gegebenheit zu reagieren.

Hierfür arbeiten wir mit Werkzeugen die der kompositorischen bzw. choreografischen Praxis entlehnt sind, die den Agierenden Filter bzw. eine Definition/Reduktion des (Re)Aktionsspektrums vorschlagen und damit die unendlichen (Re)Aktionsmöglichkeiten einschränken und scharf stellen. Wir beschäftigen uns mit der Beziehung von Aktion und Reaktion, insbesondere mit Grad und Form der Abhängigkeit, Kooperation, Konfrontation und Interdependenz. Wir nutzen die W- Fragen zur Orientierungshilfe in freien Improvisationen um und untersuchen den Begriff der "Funktion" der Agierenden und ihrer Handlungen innerhalb der Aufführung bzw. des Ensembles. Inspirieren lassen wir uns von Thomas Lehmen und den von ihm definierten performativen Funktionen der "Mediation", der "Manipulation", der Bereitstellung von "Material", der "Interpretation", oder "Observation" und nehmen diese- wie auch eigene gefundene Funktionen - als Grundlage des spielerischen Handelns.


Was will ich und Was will ich probieren ?

Begleitendes Seminar zur Eigen- bzw. freien Projektarbeit


In diesem Seminar geht es darum, Taktiken und Praktiken "freier" Projektarbeit kennenzulernen, die helfen können, die eigene künstlerische Fragestellung zu fokussieren und diese in ein Aufführungsformat zu überführen.

Mit verschiedensten Techniken des Generierens, Sortierens, Komponierens und Entscheidens, die wir z.T. aus anderen Künsten entleihen, nähern wir uns über die Definition der beteiligten Aspekte - wie Anliegen, Arbeitsweise, Aufführungsformat, Fragestellung, Titel, Thema, These u.v.a.m. - der Konzeption, Vorbereitung und Realisation eines Solo-Projektes für das die Studierenden selbst und ausschließlich die künstlerische Verantwortung tragen.

Begleitet, unterstützt und im regelmäßigen Austausch mit den anderen-, durchlaufen die Studierenden Projektfindungs-, Konzeptions-, Recherche-, Probenphase, Präsentation und Feedback.

 

Die Kunst des (Be) Sprechens


In diesem Seminar setzen wir uns mit Form und Funktion der Kommunikation innerhalb einer (Theater) Probe auseinander. Die Wechselwirkung zwischen der Beschreibung und der Durchführung schauspielerischer Handlungen, soll praktisch erforscht werden.

Dafür werden praktizierte Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation auf Theater-Proben untersucht und auch Kommunikations- und Reflexionsstrategien von Künstler_innen anderer Epochen/Ästhetiken/Kunstformen vorgestellt.

Feedback, Informationen, Anweisungen, Anliegen, Aufgaben, Kritik,

Was kommuniziere ich wann, wo, wie, wem gegenüber und warum

Was sind die erhofften, befürchteten und tatsächlichen Auswirkungen auf mein Gegenüber, die Gruppe, die Arbeitsathmosphäre, den Arbeitsprozess und das Ergebnis? In einer Versuchsreihe testen wir unterschiedlichste Möglichkeiten der Probenkommunikation und -Reflexion auf Tauglichkeit und versuchen dabei herauszufinden, wovon deren Gelingen abhängt.

Das Sprechen als Berwegung : Labans "Antriebsqualitäten" der Bewegung

für die schauspielerische Arbeit an der "Figur"

 

 

In diesem Workshop geht es darum, die von Rudolf von Laban im letzten Jahrhundert formulierten "Antriebsqualitäten" von Bewegungen, für die Konstruktion bzw. die schauspielerische Arbeit an einer "Figur" zu nutzen, genauer: für die zu erarbeitende Körperlichkeit inklusive der Stimme.

 

Dies geschieht, denkbar einfach, indem wir uns zunächst den von Laban vorgeschlagenen Parametern: Gewicht, Raum, Zeit und Fluss, widmen - und ausprobieren, wie der Fokus auf jeweils einen der Aspekte unsere körperlichen - bzw. stimmlich/sprachlichen Handlungen beeinflusst oder ändert. In der Folge arbeiten, spielen und experimentieren wir mit den verschiedensten Kombinationen der Begriffspaare; kraftvoll- leicht, plötzlich- allmählich, direkt- indirekt, gebunden - frei , und den sich daraus ergebenen [2-er und 3-er] "Antriebsqualitäten". Hiernach untersuchen wir die Wirkung der körperlich und stimmlich angewandten Antriebsqualitäten sowohl auf das Spiel der Darstellenden als auch auf die Lesart der Zusehenden und erarbeiten die Möglichkeiten der Schichtung bzw. Gegenüberstellung verschiedener Antriebsqualitäten innerhalb einer Figur .


Schauspieltheorien - und ihre Praxis

viele Wege führen nach Rom

 

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit Schauspieltheorien und -Methoden von der Antike bis Heute und erforschen ihre Anwendungsmöglichkeiten durch praktische Selbstversuche.

Der Fokus unserer Betrachtung liegt dabei auf den verschiedenen Definitionen von Form und Funktion der "Figur" und ihrer Darstellung bzw. Herstellung. Die Untersuchung der Schauspielauffassungen im 20. Jahrhundert ist ein Schwerpunkt

Pro Seminareinheit wird, durch kurze Vorträge der Studierenden, jeweils eine Theorie bzw. Methode vorgestellt. Gemeinsam versuchen wir, wesentliche "Ideen" oder Thesen auszumachen, die wir in die Praxis überführen wollen. In Kleingruppen werden die praktischen Versuche vorbereitet. Dies geschieht durch die Übersetzung der als wesentlich markierten Ideen oder Thesen der Methode in konkrete Denk- bzw. Handlungsanweisungen für die Darstellenden. Jede Gruppe präsentiert ihren Versuchsaufbau nun 2 mal, einmal mit- und einmal ohne Anwendung der Theorie/Methode in übersetzter Form.
Im Anschluss werten wir gemeinsam Idee, Übersetzung, Durchführung und Wahrnehmung aus und variieren gegebenenfalls Aufgabenstellung und Handlungsanweisung.

Die O-W Fragen

 

Inspiriert von den sogenannten "W- Fragen", die Lee Strasberg, als Hilfestellung zur psychologischen Figurenfindung formulierte (Wer bin ich, Wo befinde ich mich, Was mache ich dort? und Was ist vorher geschehen) nutzen wir die "O-W Fragen" als eine Möglichkeit, konkrete Handlungen und Pausen zu initiieren, zu inspirieren und zu definieren.
Ob, Wo, Wann, Wer, Wie, Was und Warum - diese Fragen werden an jede theatrale/performative Handlung gestellt und in beliebiger Reihenfolge, Genauigkeit und Vollständigkeit bearbeitet.

O – ist die wichtigste Frage überhaupt - Ob? Ist eine Handlung im Moment überhaupt sinnvoll ? Ja oder Nein? Wenn Ja- kann sich eine der W- Fragen anschließen: Was genau ist die Handlung, woraus besteht sie ? Wie genau, z.b. mit welchem Tempo,mit welcher Lautstärke,welcher Dichte, Amplitude, in welcher Qualität, führe ich diese aus? Wann genau findet die Handlung statt? Wo genau im Raum.? Wer ist der Adressat ? Warum findet die Handlung statt- Wozu dient die Handlung?
Besonders in Improvisationen können die "O-W Fragen" als wichtige Filter, Impulsgeber und Inspirationswerkzeuge dienen, um körperliche, räumliche und klanglich-sprachliche Handlungen in Raum, Zeit und Kontext zu definieren.Die verschiedenen Parameter schärfen dabei das Bewußtsein für das eigene Tun und erwecken dabei gar nicht so selten den Eindruck von fiktiven Figuren...
Die Aufmerksamkeit richtet sich durch die "O-W Fragen" sowohl auf die eigenen performativen Handlungen als auch auf die Komposition der räumlichen und zeitlichen Beziehungen zu den Anderen, also auf die Aspekte des Zusammenspiels.

Der, Die, Das Andere – Training des Irritiertseins

 

Die Technik des Irritiertseins gegenüber landläufigen, selbstverständlichen`, niemals angezweifelten Vorgängen ist von der Wissenschaft sorgfältig aufgebaut worden und es besteht kein Grund, warum die Kunst diese so unendlich nützliche Haltung nicht übernehmen sollte. (B. Brecht)


In diesem Seminar üben wir uns im Auffällig finden, im Irritiertsein und Staunen. Wir nutzen den achtsamen Anfängergeist, die offene Wahrnehmung des Anderen, um das Eigene und Vertraute mit fremden Blick zu betrachten. Der sogenannte V-Effekt, der Verfremdungseffekt Bertolt Brechts, soll dabei Anlass und Pate sein, den-die-das Andere in künstlerischen Handlungen und Begegnungen zu sehen, zu feiern, zu erforschen.

Damit aus dem Bekannten etwas Erkanntes werden kann, muss es aus seiner Unauffälligkeit herauskommen; es muss mit der Gewohnheit gebrochen werden, das betreffende Ding bedürfe keiner Erläuterung“ […] „Das Selbstverständliche wird in gewisser Weise unverständlich gemacht, um es dadurch um so verständlicher zu machen“ (B. Brecht)
In unserem Workshop untersuchen wir schauspielerische und choreografische Aspekte von Identifikation und Nichtidentifikation, den Umgang mit Mitspieler/innen und Publikum. Wir erproben mögliche Herangehensweisen in der Behandlung von Text und anderen Notationen.

Neben der Technik von Brecht, spielen Übungen der Choreograf/innen Meg Stuart und Rudolf von Laban eine wichtige Rolle, Praktiken des Komponisten John Cage inspirieren und unterstützen uns bei der Suche nach dem Merkwürdigen, Widersprüchlichen und Sehenswerten.






 

Alea forte - Zufallsoperationen für die darstellenden Künste


Wir untersuchen die Aleatorik (von lat. aleatorius „zum Spieler gehörig“, alea „Würfel, Risiko, Zufall“) die Verwendung von Zufalls-Operationen, als Mittel und Werkzeug der Inspiration, Komposition und Interpretation. Besonders beleuchten wir die Anwendbarkeit dieser-, in Musik, Literatur oder bildender Kunst (u.a. durch John Cage) bekannten-, künstlerischen Praxis - für die darstellenden Künste.

In diesem Workshop überlassen wir wichtige oder sogar wesentliche Entscheidungen über unsere darstellerisch-performativen Handlungen dem Zufall und eröffnen damit ein völlig neues (Schau-) Spiel. Entscheidungen darüber, ob-, wann-, wie-, wo- und warum - eine Aktion oder Reaktion stattfindet, woraus diese besteht, wer handelt, wer Adressat_in einer Handlung ist, also Timing, Spacing, Funktion, Qualität von sprachlichen und körperlichen Handlungen, werden durch Zufallsoperationen entschieden.

Wir recherchieren, welche aleatorischen Mittel es gibt und testen in praktischen Versuchen, wann es interessant ist, diese zu verwenden, um neue Räume zu öffnen, um bekannte Muster oder Klischees zu vermeiden - und wieviele Parameter sich würfeln lassen, ohne dass es beliebig wird. Wir kreieren und probieren verschiedene Situationen, in denen Zufallsoperationen sinnvoll eingesetzt werden könnten und beobachten, welche Möglichkeiten sich durch die gefundenen Praktiken für Improvisation, Interpretation, Komposition und Zusammenspiel ergeben.

 

Aneignung, Nachvollzug und Zitat,

das Potential der genauen Übersetzung


In diesem Seminar gilt es herauszufinden, was sich aus und in der Kunst anderer lernen lässt bzw. was die Handlung mit dem/der Handelnden macht, ob sich die Motivation einer Handlung auch durch ihre konzentrierte Ausführung ergibt.

Die bei Musiker_innen übliche Arbeitsform des "Raushörens" wird hier auf das Theater übertragen. Das Prinzip des Lehrstücks (Brecht), der physischen Handlungen (Stanislawski) und des Reenactment (Collingwood) wird auf die genaue Nachahmung künstlerisch gestalteter Vorgänge und Handlungen ausgeweitet und angewendet.

Die Behauptung, dass die Ausführung einer äußeren/physischen/tatsächlichen Handlung nicht nur eine emotionale Wirkung, sondern auch eine kognitive Wirkung auf die Agierenden selbst hat, wird anhand nachahmenswerter Szenen überprüft. Besonders beeindruckende, verstörende oder/und unverständliche Arbeiten bzw. ihre Aufzeichnungen, werden durch die Studierenden zunächst genauestens analysiert, evtl. notiert und in der Folge möglichst exakt und unter offensivem Verzicht auf die eigene Interpretation nachgeahmt. Dabei beobachten und untersuchen wir, welche Spielräume eröffnet bzw. welche künstlerischen Entscheidungen bei diesem Prozess nötig werden, was uns bei Wahrnehmung, Analyse, Notation, Übersetzung und Probenpraxis hilft und welche Erkenntnisse und Erlebnisse diese scheinbar unkreative Form der Darstellung - in den Abstufungen Kopie, Nachvollzug, Aneignung Übersetzung und Zitat - bereithält.

 


 

Nach der Arbeit ist vor der Arbeit

Seminar zur Nach- und Vorbereitung


In diesem Seminar geht es darum, Taktiken und Praktiken kennenzulernen, die helfen können, im Arbeitsprozess gemachte Erfahrungen in Erkenntnisse münden zu lassen, die Konsequenzen für die Konzeption und Vorbereitung des nächsten Projektes haben.

Dazu bestimmen wir unsere aktuelle künstlerische Position, betrachten unser jeweils letztes Projekt und setzen die mit diesem Projekt verbundenen Pläne / Erwartungen / Befürchtungen mit den tatsächlich gemachten guten und schlechten Erfahrungen in Beziehung . Wir reflektieren unsere Wünsche und Interessen, die sich aus den gemachten Erfahrungen ergeben, und sortieren diese in arbeitsfähige Kategorien [Thema /Stoff/Material, Arbeitsweise/Hierarchie/Kommunikation, Zeitplan /Timing, Besetzung /Team, Medien /Technik, Echo /Anerkennung/Kritik, Form/Ästhetik/Dauer ] u.a. Als nächstes fügen wir Themen, Thesen, Materialien, Gedanken, die uns schon immer oder gerade jetzt, (unabhängig vom letzten Projekt) umtreiben und interessieren, unsortiert hinzu.

Diese Sammlung von reflektierten Erfahrungen, konkreten Plänen, Wünschen, formalen oder thematischen Interessen, Begriffen und Assoziationen setzen wir nun im Laufe mehrerer Sitzungen verschiedenen Filter- und Sortier-Methoden aus, dabei wechseln wir immer wieder Perspektive und Autorenschaft und nähern uns so - über das Generieren, Überschreiben, Filtern, Sortieren, Behaupten - einer Idee bzw. einem Konzept für das nächste Projekt, dass die Erfahrungen der vorangegangenen Arbeit(en) - berücksichtigt.

 

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